 Unsere Interviewserie zur Bundestagswahl 2009 geht weiter. Nach Björn Böhning (SPD), der sich große Hoffnungen macht in diesem Herbst die Wahl zu gewinnen und als Kreuzberger Direktkandidat in den Bundestag einzuziehen, stellten wir unsere zehn Fragen diesmal Böhnings stärkstem politischen Konkurrenten Hans-Christian Ströbele. Ströbele ist nach vielen Jahrzehnten politischer Aktivität, nach seiner Verteidigung von RAF-Terroristen der ersten Generation in den 1970er Jahren, seiner Mitbegründung der linken Tageszeitung TAZ, fast schon so etwas wie ein Denkmal. Anfang Juni 2009 wird er 70 Jahre alt, doch von Altersmüdigkeit ist nichts zu spüren.
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 Das dritte Interview zur Bundestagswahl 2009 führten wir mit Halina Wawzyniak, Direktkandidatin der LINKEN für den Wahlkreis 84. Eines lässt sich daraus schnell ablesen: Von ihren starken Konkurrenten, allen voran dem Grünen Hans-Christian Ströbele, scheint die 36-jährige Juristin kaum beeindruckt. In Kreuzberg lebt Wawzyniak seit 1996, aufgewachsen ist sie in Ostdeutschland, genauer: im brandenburgischen Königs-Wusterhausen. Ihre Sozialisation dort: Mitgliedschaft bei den Jungpionieren, den Thälmann-Pionieren und in der FDJ. Zusammen mit ihrer Mitbewerberin, Vera Lengsfeld von der CDU, kandidiert mit Wawzyniak also eine weitere ostdeutsche Frau um den Einzug in den Bundestag im Wahlkreis 84. Ob das eine Rolle spielt? Es wäre zumindest eine Zeitenwende für Kreuzberg, nachdem der so eng mit dem Bezirk und der jüngeren westdeutschen Geschichte verwobene Ströbele schon zweimal den Wahlkreis gewinnen konnte. In ihrer Partei, deren vorerst letzte Häutung zur LINKEN erst zwei Jahre zurückliegt, ist sie schon seit 1990 Mitglied. Fast seit den Anfangstagen der "Ur-LINKEN" SED-PDS also. Momentan ist Halina Wawzyniak stellvertretende Parteivorsitzende und Bezirksvorsitzende in Friedrichshain-Kreuzberg.
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 Interviewtermin mit Björn Böhning, dem SPD-Kandidaten für die Bundestagswahl 2009 im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg. Wir sind im Café Kuchen Kaiser am Oranienplatz verabredet, im Herzen von Böhnings Wahlkreis. Böhning ist überpünktlich. Er wirkt souverän, lächelt viel und schaut trotzdem ernst. Man merkt recht schnell, dass Böhning ganz Parteisoldat ist und dem linken Flügel angehört. Es sind schwere Zeiten, vor allem für die SPD. Angela Merkel befindet sich im Dauerhoch der Umfragen und bisher scheint es, als ob nur die LINKE aus dem ganzen Frust über die Weltwirtschaftskrise politisches Kapital schlagen kann. Doch der 30-jährige, aus Nordrhein-Westfalen stammende und in Lübeck aufgewachsene Böhning gibt sich kämpferisch.
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