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Kreuzberg Special Kolumne

Kolumne

Wem gehört die Stadt?
(24 Bewertungen)
Tempelhof, Mediaspree, O2-Arena, Landwehrkanal, Admiralbr√ľcke, Kottbusser Tor, SO 36, Reichenberger Stra√üe. Die Liste der umk√§mpften Orte in Kreuzberg und Berlin ist lang und sie w√§chst weiter. Genauso w√§chst auch das Unbehagen, der Zorn, zum Zuschauer verdammt zu sein, zum buchst√§blichen Zaungast, wie in Tempelhof. Doch Widerstand ist l√§ngst organisiert. Immer mehr Menschen wollen mitreden √ľber die Zukunft der Stadt, die Gestaltung der R√§ume, in denen sie sich t√§glich bewegen. Weil sich jetzt, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, eine Entwicklung wiederholt im Westen Berlins, die im Ostteil der Stadt schon abgeschlossen ist: die vollst√§ndige architektonische und soziale Entkernung ganzer Bezirke. Hier in Kreuzberg wird das alles etwas anders ablaufen. Der Prozess wird l√§nger dauern, die Ver√§nderungen werden erst mit Verz√∂gerung wirklich sp√ľrbar werden. Doch dass der Prozess l√§ngst in Gang gesetzt wurde, daran besteht kein Zweifel. Die Stadt ist Beute. Und warum sollte Kreuzberg hier ausgenommen sein? Die Immobilienbranche sagt: Berlin wird gerade erst entdeckt.¬† Berlinhype? Er beginnt gerade erst. Damit stellt sich die Frage: Wem geh√∂rt die Stadt?
 
Seid einig, einig, einig!
(15 Bewertungen)

Einmal im Jahr √ľbertr√§gt das TV ein merkw√ľrdiges Spektakel: Da ist eine breite Stra√üe zu sehen auf der sich viele, ja sehr viele Menschen befinden. Obwohl diese Menschen so zahlreich erscheinen, lassen sie eine ziemlich breite Gasse, durch die nach und nach geballte Milit√§rmacht rollt: Panzer sind zu sehen, Infanterie. Dann wird auf Lafetten Artillerie hinter Lkws hergezogen. Sogar Kavallerie hoppelt durch die Gasse dieser sehr breiten Stra√üe und zu guter letzt wird die Szenerie von mehreren D√ľsenjets √ľberdonnert, die Abgasschleppen in drei Farben hinter sich herziehen: rot, wei√ü und blau. Was geschieht da? Richtig: Die Franzosen feiern ihren Nationalfeiertag.

 
5,58 Euro kalt
(21 Bewertungen)
Dass die Mieten in Kreuzberg seit Jahren steigen, ist nicht neu. Und doch sind die gerade erschienen Zahlen ern√ľchternd - Kreuzberg ist bei den Quadratmeterpreisen f√ľr neu abgeschlossene Mietvertr√§ge mittlerweile einsamer Spitzenreiter in Berlin. Nicht Charlottenburg, Wilmersdorf, Zehlendorf oder Dahlem - nein, Kreuzberg. 5,58 Euro kostet der Quadratmeter Wohnfl√§che jetzt im Schnitt. Das sind 50 Cent mehr als im Berliner Durchschnitt. Warum eigentlich?
 
Kachelofenrealität
(19 Bewertungen)
Vorbei der Sommer, vorbei die Sommergef√ľhle. Zumindest bis jetzt, keine Spur von einem ‚ÄěIndian Summer‚Äú, wie man den warmen und in vielen Farben gl√§nzenden Herbst im anglo-amerikanischen Sprachraum nennt. Grau sind die Tage, grau die Gesichter in den Stra√üen, grau die Gedanken. F√ľr all jene, die noch mit Kohle heizen, bedeutet das: t√§glicher Abstieg in den Keller, wo das ‚Äěschwarze Gold‚Äú lagert. Die Heizperiode also hat begonnen und mit ihr der leicht schweflige Geruch, der nun √ľber den H√§usern liegt.
 
SO 36 bleibt?
(33 Bewertungen)
Als fester Bestandteil des Kreuzberger Nachtlebens und gerade 30 Jahre alt geworden, k√∂nnte dem legend√§ren SO 36 ausgerechnet in seinem Jubil√§umsjahr das Aus drohen. Der Grund: ein l√§rmempfindlicher Nachbar und eine blinde B√ľrokratie, die dem Veranstaltungsort bereits eine offizielle Anordnung zustellen lie√ü. In dem Schreiben hei√üt es: werden nicht umfangreiche Bauma√ünahmen zur L√§rmreduzierung vorgenommen, darunter eine Schallschutzmauer neben dem Club, sind Konzerte fortan nur noch in Zimmerlautst√§rke zul√§ssig.
 
Wartende Hunde
(18 Bewertungen)
Es ist jetzt Winter. Und in diesem Jahr ist¬† sogar wirklich Winter. Eine schon fast nicht mehr f√ľr m√∂glich gehaltene K√§lte hat sich √ľber Berlin gelegt und scheint noch lange zu bleiben. Wer drau√üen unterwegs ist, h√§lt die Wege kurz. Viele tragen Kleidung, die auch f√ľr eine Nordpol-Expedition taugen w√ľrde. Dass die Menschen immer gleich so √ľbertreiben m√ľssen. In diesen eiskalten Tagen jedenfalls, wo man keine Gesichter mehr sieht, sondern nur noch Kapuzen, Schals, M√ľtzen, Helme und aufgebauschte Daunenjacken, fallen Andere mehr auf als sonst - wartende Hunde.
 
Stadt aus Eis
(4 Bewertungen)
Es gibt keine Klimaerwärmung. Es gibt nur Kälte, Eis, Eis, Eis und nochmal Eis. Dazwischen fällt Schnee - in allen Farben und Qualitäten. Berlin erlebt einen Winter, der erstens nicht mehr aufhört und zweitens eines wieder ganz deutlich zeigt: diese Stadt funktioniert nicht so, wie andere Städte.
 
Obama in Kreuzberg
(15 Bewertungen)
Sie treffen sich regelm√§√üig im Traditions-Gasthaus Max und Moritz in der Oranienstra√üe - vor und auch nach der Wahl Barack Obamas zum Pr√§sidenten der USA. "Sie" - das sind die "Democrats Abroad", Anh√§nger der US-Demokraten im Ausland. Nach der Berliner Rede ihres Idols haben einige von ihnen im Stillen gehofft, Obama werde seinen Weg auch nach Kreuzberg finden. Ins Max und Moritz und ansto√üen mit ihnen auf seine Rede, die Berlin entflammt hat und auf die neue Zeit, die nun heraufzieht. Doch sie hofften vergebens. Obama kam nicht. W√§hrend die Democrats Abroad freudetrunken in Kreuzberg zusammensa√üen, war der Hoffnungstr√§ger schon auf dem Weg in sein Hotelbett. Am Tag darauf hob die "Obama One" dann von Tegel ab und lie√ü sie alle in einem Rausch zur√ľck, der bis heute anh√§lt.
 
Herbst in den Köpfen
(26 Bewertungen)
√úber den Herbst ist furchtbar viel geschrieben und gedichtet worden. Man k√∂nnte behaupten: allgegenw√§rtig ist der Herbst. Jeder, der im Herbst seines Lebens steht - oder aber in Herbstnebeln umherirrt und von der hereinbrechenden Herbstk√§lte einer Herbstnacht schnell ins herbstliche Nest fl√ľchtet, das er hoffentlich rechtzeitig sich eingerichtet hat, denn: wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr - wei√ü das. Auch im Fr√ľhling, selbst im Hochsommer kann man zu herbstlichen Gedanken neigen, vielleicht weil man schon die Herbstkleidung aus dem Schrank holen muss, weil das Wetter langsam herbstlicher wird.
 
Berlnale? Berliiiiiiiiiiiinale!
(6 Bewertungen)

Heute also hat die 59. Berlinale begonnen. Der internationale Filmzirkus macht Station in Berlin. Ob auch f√ľr Kreuzberg ein wenig vom cineastischen Glanz abf√§llt, warum der Berlinale auf den offiziellen Plakaten ein "i" fehlt, oder aber ob nicht viel zu viele "i's" zu sehen sind und ob auch dieses Jahr wieder die Stadt voller stolzer Taschentr√§ger sein wird - diese Fragen sollen hier gekl√§rt werden.

 
Finanzamt und das BKA haben unsere Daten da...
(10 Bewertungen)
... sang die Gruppe Kraftwerk 1981 und griff damit ein Thema auf, das zu diesem Zeitpunkt gar nicht wirklich aktuell war. Erst sechs Jahre sp√§ter, anl√§sslich der gro√üen Volksz√§hlung von 1987, wurde den Meisten bewusst, dass der Staat und mit ihm unz√§hlige andere staatliche, halbstaatliche und private Institutionen damit begonnen hatten, alle nur verf√ľgbaren Daten deutscher Privathaushalte zu sammeln und auf unbestimmte Zeit zu speichern. George Orwells oft zitierte Schreckensvision vom vollkommen durchsichtigen B√ľrger war mit einem Mal keine abstrakte literarische Fiktion mehr, sondern Wirklichkeit. Und doch ging der Plan erstmal schief. Die Deutschen, sonst alles andere als Rebellen, verweigerten in gro√üer Zahl die Preisgabe pers√∂nlicher Daten. Manche logen, andere planten, ihre T√ľren vor den Volksz√§hlern zuzumauern. Und wie so oft stie√üen die Datensammler gerade in Kreuzberg auf besonders hartn√§ckigen Widerstand - hier fiel die Volksz√§hlung quasi aus. 2010 soll es die n√§chste Volksz√§hlung geben. Ob dann mit genauso heftigem Widerstand zu rechnen ist? - Wohl kaum.
 
Ströbele, der Kreuzberger Riese
(15 Bewertungen)

Hans-Christian Str√∂bele, der Gr√ľne, der das einzige Direktmandat f√ľr seine Partei in ganz Deutschland im Wahlkreis Friedrichshain - Kreuzberg - Prenzlauer Berg - Ost h√§lt, will auch bei der n√§chsten Bundestagswahl 2009 noch einmal antreten. Seit gestern ist klar: Diesmal schicken SPD und CDU erstmals ernstzunehmende Konkurrenz gegen ihn ins Feld. Die DDR-B√ľrgerrechtlerin Vera Lengsfeld (CDU) und der Ex-Juso-Chef Bj√∂rn B√∂hning (SPD) k√∂nnten Str√∂beles Herausforderer sein, sofern ihre Parteien sie nominieren. Muss Str√∂bele, der Kreuzberger Riese, nun um sein Direktmandat f√ľrchten? Wohl kaum.

 
Tempelhof entsorgen
(16 Bewertungen)

Und jetzt? - Tag eins nach der Schlie√üung des Flughafens Tempelhof. Der letzte Spa√üflug, der mit einer Handvoll Wehm√ľtigen an Bord ein paar letzte Kurven im Himmel √ľber Berlin gedreht hat, ist gelandet. Kein Motorenl√§rm weht mehr her√ľber nach Kreuzberg. Das rot blinkende Warnlicht des Radarturms ist abgeschaltet. Der Gigant hat sich schlafen gelegt. Wenn er eines fernen Tages wieder aufwacht, wird er sein Gesicht nicht wieder erkennen. Man wird nun mit Stift und Zirkel, sp√§ter mit Pre√ülufthammer und Harke, die betonierte Freifl√§che aufrei√üen und schlie√ülich eine neue Landschaft ausbreiten - dort, wo einst ein Flughafen stand.

 
Das Kreuzberger Wesen
(18 Bewertungen)
Nur weil sie eine Seite im Internet betreiben, die kreuzberg24.net hei√üt, d√ľrfen deren Sch√∂pfer nicht davon ausgehen, die publizistische Oberhoheit √ľber Kreuzberg zu haben. Es gibt da eine Monatsschrift mit dem Namen Kreuzberger Chronik, die sich mit demselben Gebiet befasst. Sie liegt kostenlos in Kneipen, Restaurants und Bibliotheken aus und sollte von jedem Kreuzberger einmal gelesen werden. Darin steht z. B. wie der Planet Neptun von einer Kreuzberger Sternwarte aus entdeckt wurde und dann doch nicht, irgendwie.
 
Zusammen? - Zusammen!
(10 Bewertungen)
Das Thema verliert nie an Aktualit√§t. Eigentlich wird es sogar immer aktueller. Wie funktioniert das Zusammenleben von Deutschen und Menschen mit Migrationshintergund und von Mittel- und Unterschicht in Kreuzberg heute, 2008? Die Antwort lautet knapp: recht gut. Die Klischees vom Problembezirk Kreuzberg decken sich in diesem Punkt nicht mit der Alltagsrealit√§t. Auch wenn ein wirklicher und echter "Dialog der Kulturen" selbst hier die Ausnahme ist - die Bilder p√∂belnder U-Bahnschl√§ger kommen aus M√ľnchen.
 
Abgewrackt - der Jahresr√ľckblick 2009
(11 Bewertungen)
Weder die Abwrackpr√§mie noch die Schweinegrippe sorgten 2009 f√ľr kriegs√§hnliche Zust√§nde. Jene drei Worte, die die selbsternannte Gesellschaft f√ľr deutsche Sprache dieses Jahr zu den "Worten des Jahres" k√ľrte, fassen jedoch plakativ zusammen, was 2009 die Schlagzeilen beherrschte. Und f√ľr zwei der drei Worte, die "Abwrackpr√§mie" und die "kriegs√§hnlichen Zust√§nde", gilt das ganz besonders auch f√ľr Kreuzberg. Auch in Kreuzberg wurde reichlich abgewrackt - freilich auf andere Weise, als es der Begriff eigentlich meint: 2009 gingen im Bezirk so viele Autos wie nie zuvor in Flammen auf (die genaue Statistik hier). Kriegs√§hnliche Zust√§nde also in Kreuzberg. So jedenfalls wollte es die deutsche Medienlandschaft verstanden wissen. Was sonst noch los war? Wir blicken nochmal kurz zur√ľck.
 
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