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Kreuzberg Special Kolumne 5,58 Euro kalt

5,58 Euro kalt

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Dass die Mieten in Kreuzberg seit Jahren steigen, ist nicht neu. Und doch sind die gerade erschienen Zahlen ernüchternd - Kreuzberg ist bei den Quadratmeterpreisen für neu abgeschlossene Mietverträge mittlerweile einsamer Spitzenreiter in Berlin. Nicht Charlottenburg, Wilmersdorf, Zehlendorf oder Dahlem - nein, Kreuzberg. 5,58 Euro kostet der Quadratmeter Wohnfläche jetzt im Schnitt. Das sind 50 Cent mehr als im Berliner Durchschnitt. Warum eigentlich?
 
Die Gründe sind schnell gefunden und die Entwicklung hat wie immer zwei Seiten. Auf der einen Seite ist es  zu begrüßen, dass Kreuzberg ganz offensichtlich zu den beliebtesten Berliner Bezirken zählt. Zuzug, Umwälzung stärkt und ergänzt gewachsene soziale und kulturelle Strukturen. "Beliebtheit", dieser zunächst ganz subjektive Faktor im Auge des Betrachters, hat jedoch eine volkswirtschaftliche Referenzgröße, die alles andere als subjektiv ist. Beliebtheit nämlich lässt sich leicht nachmessen an einer so unbestechlich-nüchternen Größe wie dem Mietpreis. Hohe Mieten gibt es dort, wo viele hinwollen und der Wohnraum knapp ist, so lautet die einfache Gleichung. Genau hier liegt auch die Schattenseite der Entwicklung. Denn die Beliebtheit des Bezirks - die Zahlen könnten es nicht klarer zeigen -, geht einhand mit steigenden Mieten. Bei 5,58 Euro liegt im Moment die Preisspirale, die sich in den nächsten Jahren weiter nach oben schrauben wird - dazu muss man kein Wahrsager sein. Berichte über neu vermietete Wohnungen, die auf einen Schlag um 40 Prozent teurer werden, sind längst keine Seltenheit mehr. Überhaupt eine bezahlbare und dazu einigermaßen schöne Wohnung zu finden, gleicht inzwischen der Suche eines in der Wüste Umherirrenden nach Wasser. Die schönen und bezahlbaren Wohnungen sind Mangelware. Und wenn solche Wohnungen (mit der Trias aus Dielen, Balkon und Wannenbad) kurz auf den Markt kommen, beginnt sofort ein gnadenloser Wettlauf um die Gunst des Vermieters. Wer hier den Kürzeren zieht, ist nicht schwer auszumalen. Diese Entwicklung wird die Mieterströme, die jetzt schon nach Nordneukölln, Wedding und Teilen Mittes ausweichen, nur weiter anschwellen lassen, bis auch hier - etwas zeitversetzt - das gleiche Bild entsteht. Auch in diesen Bezirken steigen längst die Mieten, wenn auch moderater.
 
In einem vor der Bundestagswahl hier geführten Interview mit Hans-Christian Ströbele versprach der Grünenpolitiker, sich für die Einführung von Mietobergrenzen einsetzen zu wollen. Man wird sehen, ob und wieviel Ströbele und sein Parteifreund, Kreuzbergs Bezirksbürgermeister Franz Schulz, hier erreichen können. Hier nämlich, bei der Einführung von Mietobergrenzen, liegt die einzige Hoffnung für die, die keinen Wohnraum mehr finden oder nach Jahrzehnten wegziehen müssen.
 
Manch einer, der hinter dem allen nun einmal mehr das ewige "Gentrifizierungs-Lamento" weinerlicher Alt-68er und  ihrer neulinken Gesinnungs-Kohorten vermutet, sollte sich seiner Sache nicht zu sicher sein. Die Attraktivität Kreuzbergs nämlich bezog ihren besonderen Glanz noch zu keiner Zeit aus hohen Mieten.
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