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Kreuzberg Special Kolumne Abgewrackt - der Jahresrückblick 2009

Abgewrackt - der Jahresrückblick 2009

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Weder die Abwrackprämie noch die Schweinegrippe sorgten 2009 für kriegsähnliche Zustände. Jene drei Worte, die die selbsternannte Gesellschaft für deutsche Sprache dieses Jahr zu den "Worten des Jahres" kürte, fassen jedoch plakativ zusammen, was 2009 die Schlagzeilen beherrschte. Und für zwei der drei Worte, die "Abwrackprämie" und die "kriegsähnlichen Zustände", gilt das ganz besonders auch für Kreuzberg. Auch in Kreuzberg wurde reichlich abgewrackt - freilich auf andere Weise, als es der Begriff eigentlich meint: 2009 gingen im Bezirk so viele Autos wie nie zuvor in Flammen auf (die genaue Statistik hier). Kriegsähnliche Zustände also in Kreuzberg. So jedenfalls wollte es die deutsche Medienlandschaft verstanden wissen. Was sonst noch los war? Wir blicken nochmal kurz zurück.

2009 war ein reiches Jahr. Reich vor allem an einer Erkenntnis: die Weltwirtschaftskrise hält uns alle fest im Schwitzkasten. Merkwürdig also, dass es die alles beherrschende und verzehrende Krise nicht in die Top 3 der Wörter des Jahres geschafft hat. Denn sie war ja praktisch überall. Die Autoindustrie verschlang sie ebenso schmatzend, wie die Banken, den Immobilienmarkt und den Gemüsehändler an der Ecke. Oder etwa nicht? Manche behaupten, die eigentliche Krise hätte uns noch gar nicht erreicht. Sollte das stimmen, hätten wir also noch genug Stoff für den nächsten Jahresrückblick. Aber wer kann das Wort Krise überhaupt noch hören? - Eben. Es sei hiermit abgewrackt. Kein Wort mehr davon. Na gut, ein letztes Mal noch, weil es sein muss: das "schlimmste Krisenjahr" der jüngeren Industriegeschichte nämlich war auch ein "Superwahljahr". Für Kreuzberg zog ein weiteres Mal Hans-Christian Ströbele in den Deutschen Bundestag. Der längst im Pensionsalter angekommene ewige Radfahrer und Antikriegsaktivist ließ auch dieses Mal die größtenteils wesentlich jüngere Konkurrenz alt aussehen. Nichts also wurde es für Böhning (SPD), Wawzyniak (LINKE), Lengsfeld (CDU) oder Löning (FDP). Hier wurden Hoffnungen abgewrackt, vor allem bei der SPD.

Abgewrackt wurde 2009 auch die monumentale Brunnenanlage im Görlitzer Park. Nicht schlimm, denn sie war in erster Linie monumental häßlich und seit ihrer Erbauung ein Fall für die Abrißbirne. Der schon 2008 für die Abwrackung frei gegebene Flughafen Tempelhof sorgte auch 2009 für Schlagzeilen. Im Juni scheiterte die Erstürmung des riesigen historischen Flugplatzes an einem massiven Polizeieinsatz - 1500 Polizisten nahmen 102 "Squatter" fest. Mittlerweile und in der Zwischenzeit ist der ehemalige Flughafen eine viel genutzte und beliebte Kulisse für alle möglichen kommerziellen Spektakel. Für Aufsehen sorgte 2009 auch der durchaus ernst gemeinte Vorschlag des Architekten Jakob Tigges, auf dem Tempelhofer Flughafenfeld einen Berg entstehen zu lassen. Doch, man erahnt es bereits, auch dieser Vorschlag wurde abgewrackt. Die Frage, was mit Tempelhof geschehen soll - sie wurde 2009 nicht gelöst.

Ungelöst bleiben auch zwei Probleme, die 2009 mehrfach in den Fokus der Öffentlichkeit rückten: in Kreuzberg wächst die Armut, vor allem die der Kinder (beinahe jedes zweite Kind lebt hier mittlerweile von Hartz IV), auf der anderen Seite steigen die Kreuzberger Mieten: in keinem anderen Berliner Stadtteil ist der Quadratmeterpreis bei neu abgeschlossenen Mietverträgen inzwischen teurer, als hier. Hieraus Schlussfolgerungen für die soziale Entwicklung der nächsten Jahre zu ziehen, sei jedem selbst überlassen.

Nicht abgefunden mit der Abwrackung des Weltklimas hat sich 2009 eine Gruppe von Umweltaktivisten, die deutschlandweit den ersten Carrotmob in einem Kreuzberger Spätkauf organisierte. Ein mediales Dauerthema, das Kreuzberg den ganzen Sommer 2009 beschäftigte, war die Frage, wie tolerant die Kreuzberger mit Lärmbelästigung umgehen. Sowohl die Admiralbrücke (längst als sommerliche Partybrücke stadtweit bekannt), als auch das wegen eines lärmempfindlichen Nachbars von Schließung bedrohte, legendäre SO 36 sorgten für Schlagzeilen. Vorläufig gilt: Auf der Admiralbrücke kann auch 2010 weiter getrunken und Musik gemacht werden, das gleiche scheint für das SO 36 zu gelten, sollte die Lärmschutzmauer denn gebaut werden...

So, das war's. An dieser Stelle verabschieden wir das Jahr 2009. Nein, wir wracken es ab, um nochmal das diesjährige Modewort zu gebrauchen, bevor es mit dem Jahreswechsel selbst abgewrackt werden wird. Wir sagen "Tschüß" oder "Tschüßikowski" zum letzten einstelligen Jahr des noch jungen 21. Jahrhunderts. Mit den üblichen heimlichen Hoffnungen auf das kommende Jahr. Auf das alles besser werde. Denn, wie sagt das alte Sprichwort: Die Hoffnung wird zuletzt abgewrackt. Oder so ähnlich.    

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