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Kreuzberg Special Kolumne Stadt aus Eis

Stadt aus Eis

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Es gibt keine Klimaerwärmung. Es gibt nur Kälte, Eis, Eis, Eis und nochmal Eis. Dazwischen fällt Schnee - in allen Farben und Qualitäten. Berlin erlebt einen Winter, der erstens nicht mehr aufhört und zweitens eines wieder ganz deutlich zeigt: diese Stadt funktioniert nicht so, wie andere Städte.
 
Um die tausend Ärgernisse der Berliner dieser Tage zusammen zu tragen, bräuchte es viel Platz und Zeit. Doch da jeder Teil jener Ärgernisse ist, kann man eigentlich auch darauf verzichten. Jeder ist in diesen Wochen irgendwann einmal auf spiegelglatten Bürgersteigen ins Schlingern geraten oder schlimmer noch, gestürzt, jeder stand dieser Tage irgendwann einmal im Stau oder schlimmer noch, auf überfrorenen Bahnsteigen, ohne Hoffnung auf die gute alte Bahn, die lang schon nicht mehr ist, was sie mal war. Ja, früher war alles besser. Auch die Winter. Die BSR jedenfalls hat den Kampf verloren gegen das Gottesgericht eines eisstarrenden Horrorwinters, der Berlin heimsucht. Die endgültige Bankrotterklärung: die Stadtreinigung (welch' Euphemismus) öffnet ihre Salz- und Kieslager dem gemeinen Streupöbel, der auch zahlreich herbeihumpelt, um die größte Kostbarkeit dieses Winters kostenlos einzuheimsen: Streugut. Denn wer dieser Tage über ausreichend Streugut verfügt, der ist auf der sicheren Seite. Der muss keine Klagen fürchten von Gestürzten und Gestrauchelten. Nein, der hat seiner Pflichten erfüllt. Die Stadt, wie erwähnt, sah sich dazu außerstande.
 
Die Stadt also, jetzt nicht im Sinne von "denen da oben", sondern das Gemeinwesen als solches, entschleunigt. Dies ist einer der positiven Nebeneffekte dieses Winters. Wer sich in sein Schicksal fügt und erkennt, dass Beschleunigung dieser Tage Fallen heißt oder Stillstand, der führt ein zufriedeneres Leben. Dieser Tage.
 
Dieser Tage ist aber noch weiteres Ungewöhnliches passiert: Man kennt die Szene aus unzähligen US-amerikanischen Filmen, in denen Häftlinge Steine klopfend oder Eisenbahnschienen ausbessernd in Ketten auf den Straßen sich abplagen. Berlin ist Filmstadt und kann seit diesem Winter auch hier mithalten! Häftlinge hacken Eis in den Straßen, zusammen mit abkommandierten Arbeitslosen und Stadtangestellten. Bisher sind keine Zwischenfälle bekannt geworden - keine Ausbruchsversuche, Gefangenenaufstände, Arbeitslosenmontagsdemonstrationen. Es ist auch viel zu glatt überall. War noch was? Ach ja, die Berlinale findet natürlich wieder statt. Wie stets, mitten im Winter, eisfrei natürlich und bereits im Seniorenalter von 60 Jahren angekommen. Von den Nöten der Stadt aus Eis bekommen die Stars höchstens am Rande etwas mit. Dass Berlin nicht funktioniert, wie andere Städte, das wiederum, wissen sie längst.
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