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 Morgens, wenn die ersten Strahlen der Sonne in mein Loft fallen, ist das erste, was ich sehe: Du. Wie Du so dastehst in Deinem mattschwarzen Glanz erinnerst Du mich immer ein wenig an ein schönes Tier. Ja, wie ein Panther siehst Du aus. Gefährlich irgendwie – bereit zum tödlichen Sprung. Warte eben noch, ich esse nur eine Schüssel Müsli, dann zischen wir los. Auf dem Sprung durch die Stadt, vorbei an allen anderen … So, oder so ähnlich, müssen die morgendlichen Gedanken derjenigen sein, die nun bald in das neue Car Loft-Haus in der Reichenberger Straße ziehen. Sie werden Wand an Wand mit ihren Autos leben. Das neue WG-Konzept, mein Auto und ich, hat Kreuzberg erreicht.
Wie mag das wohl sein, wenn das eigene Gefährt zum ständigen Gefährten wird? Die Liebe zum eigenen Auto jedenfalls muss groß sein, wenn man sich für eines der Car Lofts in Kreuzberg entschieden hat. Noch ist das Haus unfertig. Doch Ende des Jahres wird es so weit sein. Dann werden die ersten Mieter in das fünfstöckige Gebäude einfahren, weiter in den Lastenaufzug, der sie und ihr Vehikel behutsam in die gewünschte Etage bringt. Dort angekommen, ist es dann buchstäblich nur noch ein kleiner Schritt vom Auto in die Wohnung, aber ein großer für die Menschheit. Denn ihren Schatz müssen die Loft-Mieter nun gar nicht mehr aus den Augen lassen. Er steht, nur durch eine Glaswand getrennt, mitten in der Wohnung. Welche Vorteile mag das bringen?, werden sich nun einige Ewiggestrige fragen. Über diese Frage können die Carloftpeople nur lachen. Auch wenn sie die Antwort vielleicht selbst nicht kennen. „Vorteile“ mag es ja auch wirklich keine geben, dafür eine Menge Vorurteile. Denn, und das ist die zweite große Frage, die sich hier stellt, warum gerade Kreuzberg? Und dann auch noch mitten im nicht gerade autovernarrten SO 36? Ein paar Meter weiter, die Reichenberger Straße runter, wurde gerade ein Haus besetzt. Hier hat wieder einmal das altbekannte Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei begonnen. „Hass, Hass, Hass“, rufen die Autonomen, „Räumen Sie die Straße, oder Sie kommen in den Bereich polizeilicher Maßnahmen“, antwortet scheppernd die Polizei. Warum also gerade hier ein Car Loft? Ein wenig fühlt man sich an Südamerika erinnert. An die Megacitys, die so gefährlich geworden sind, dass die Reichen sich nur noch fliegend sicher durch die Städte bewegen können. Ihr Zuhause gleicht den Hochsicherheitstrakten von Gefängnissen. Hoch über der Stadt oder in Reichen-Ghettos fristen sie ihr privilegiertes und doch armseliges Dasein in gated communities. Bewacht, 24 Stunden am Tag, von privaten Sicherheitsdiensten. Sicher, in Kreuzberg ist man weit entfernt von solchen Zuständen. Doch auch das Car Loft-Haus in der Reichenberger Straße wird über einen „Doorman“ verfügen. Und zu sinkenden Mieten in Kreuzberg wird die neue Klientel sicher auch nicht beitragen. Ist der Ärger also vorprogrammiert? Sind sogar Anschläge auf das Haus zu befürchten, so wie auf die Subway-Filiale in der Schlesischen Straße? Man wird sehen und gleichzeitig hoffen, dass das Projekt Auto-WG irgendwie aufgeht und sich integriert. Das heißt auch: dass es nicht weiter auffällt und zu unüberbrückbaren sozialen Spannungen führt. Die Chancen dafür stehen ja nicht schlecht. Denn die Autos verschwinden zusammen mit ihren Besitzern in Windeseile in den Wohnungen. Zweieinhalb Minuten braucht der Spezial-Lastenaufzug für Auto und Mensch. Und diese eine Sorge müssen sich die neuen Luxus-Mieter in Zukunft auch nicht mehr machen: Parkplatzprobleme sind für sie Schnee von gestern.  Konstantin Vogas
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