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 Architekt Jakob Tigges wusste, dass sein Vorschlag keine Chance haben wird. Und doch hat er ihn gemacht. Ein Berg für Tempelhof, auf dem ehemaligen Flughafengelände. Mittlerweile ist die erste Phase des Architektur-Wettbewerbs zur Neubebauung abgeschlossen. Und man ahnt schon, dass am Ende doch ein Kompromiss-Vorschlag gewinnen wird - Reihenhäuser, nach dem Lego-Prinzip zusammengesteckt und im Raum verteilt. Tigges Vorschlag mit dem Berg sollte betriebsblinde Augen öffnen. Für eine große Idee werben. Hat doch Berlin gerade ein weiteres Mal die Chance, etwas wirklich Herausragendes zu bauen auf dem riesigen, offen stehenden Areal. Die zweite große Chance nach dem Potsdamer Platz, bei dessen Wiederaufbau alles schief gelaufen ist - dort steht heute Kleinkrämerarchitektur mit blassen Fassaden und künstlichen Straßen.
 "Columbiaquartier" wird das neue Viertel im Nordteil des alten Flugfeldes einmal heißen. Es soll Neukölln, Kreuzberg und Tempelhof städtebaulich einander näher bringen. Eine Riesenaufgabe, in jeder Hinsicht. Doch allein der bürokratisch-hölzerne Name der offiziellen Ausschreibung - " Prozessuale Stadtentwicklung Tempelhofer Feld - Columbiaquartier" - lässt Langeweile aufkommen. An interessanten oder abstrusen Ideen mangelt es ja nicht. Das zeigt neben der Idee mit dem Berg auch ein anderer Vorschlag. Der, des "Columbia-Strips", einer Art Rotlichtbezirk mit Bars, Spielhallen und Stundenhotels. Nein. Es mangelt an Mut und Weitblick. Schaut man sich die jetzt noch im Wettbewerb verbliebenen zwölf Vorschläge an, kann man gar keinen anderen Eindruck gewinnen. Sie sehen Wohnbauten und Grünanlagen vor - einmal wie Inseln, einmal verbunden mit dem benachbarten Kreuzberg. Berlins Bürgermeister Wowereit hat "von der größten Herausforderung für die Stadtplanung Berlins" gesprochen. Doch wie Herausforderungen wirken die zwölf Vorschläge nicht. Hinzu kommt, dass sie keinen Rückhalt bei den Berlinern finden. Hatten sich schon bei der Schließung Tempelhofs (wir berichteten) Befürworter, Gegner und Unentschlossene einen langen zähen Kampf geliefert, zeichnet sich der kommende Ärger bereits ab. Erste Initiativen gegen die Bebauung haben sich formiert, Kleingärtner fürchten um ihre Parzellen, Luxus-Gegner um die "Kaltluftschneise" zwischen dem Flugplatz und der Hasenheide.  Statt eines offenen Dialoges zwischen Architekten, Bausenat und Bewohnern, setzt die Stadt einmal mehr auf einen klassisch-hermetischen Wettbewerb, der nun in großer Eile abgeschlossen werden soll. Und so scheint es beinahe unausweichlich, dass, nachdem die ungewöhnlichen Ideen aussortiert sind, um die verbliebenen ein jahrelanger Rechtsstreit entbrennt, der schließlich mit einem Kompromiss enden wird.  In den Diskussionen der letzten Wochen fiel oft der Slogan von der "historischen Chance". Und so pathetisch und abgegriffen dieser Slogan auch ist - die Neubebauung des Tempelhofer Flugfeldes ist nicht weniger, als das. Warum also die Eile? Bis ein Berg wächst, dauert es Jahrmillionen. Solange kann niemand warten. Doch vielleicht sollten sich alle Beteiligten noch einmal an die Idee mit dem Berg erinnern. Sie ist groß. Und überdies, was wäre das für ein Anblick - Alpenglühen in Kreuzberg. Â
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