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Kreuzberg Special Kreuzberg von A bis Z G wie Gentrifizierung

G wie Gentrifizierung

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Seit geraumer Zeit schon geht ein böses Wort um in Kreuzberg. Das Wort Gentrifizierung. Es bedeutet, wenn es denn erstmal umgeht, nichts Gutes fĂŒr den betroffenen Stadtteil.
 
Was passiert? Besserverdiener ziehen in einen strukturschwachen aber kulturell attraktiven Bezirk und verdrĂ€ngen nach und nach die ursprĂŒnglichen Einwohner. Parallel dazu steigen die Mieten und Preise, werden die CafĂ©s und Restaurants teurer und nicht selten seelenloser, im schlimmsten Fall verliert der Stadtteil sein altes Gesicht ganz und erstarrt in einer bunt funkelnden HĂŒlle. Die bleibt dann auch ĂŒbrig, wenn die Karawane schließlich, wieder Jahre spĂ€ter, weiterzieht, weil sich die neue BohĂšme nach Trash und Underground zurĂŒcksehnt. Berlin erlebt diese Wanderungsbewegung seit Jahren. Ein berĂŒhmter Bezirk im Ostteil hat diesen Prozess schon durchgemacht und schlĂ€ft jetzt. Und Kreuzberg? Tja. Die Plakate rufen es von den WĂ€nden - "Stoppt die Mieterhöhung!". Ein Car-Loft-Haus ist quasi bezugsfertig, die Reichen kommen. Wer wirft dann in Zukunft eigentlich die Steine am 1. Mai? Marketingmanager in 150-Euro-Adidas-Sneakern? So ganz kann man sich das noch nicht vorstellen.
Kommentare
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Hieronymus 14.01.2009

Und Du, möchtest Du denn Dein altes Gesicht ewig behalten?
Und die Steine wirft hier auch niemand fĂŒr Dich, die mußt Du schon selber werfen,...kannste Dich denn ĂŒberhaupt noch bĂŒcken, altes Gesicht?
Bosch 14.01.2009

Trotz Deines aggressiven Untertons eine Anmerkung: nur ein Tölpel glaubt, dass sich das Alte auf ewig bewahren lĂ€sst und "frĂŒher alles besser war". Dass nichts bleibt, wie es ist, gilt fĂŒr StĂ€dte genauso, wie fĂŒr das Leben selbst. Schon klar. Nur: wie diese VerĂ€nderung aussieht, ist schon nochmal was ganz anderes, nicht? Und wenn das, was diesen Stadtteil einzigartig macht (da fĂ€llt jedem, der hier wohnt, sicher was anderes ein), verschwindet und ersetzt wird durch einen gleichförmigen Lebensstil und dazugehörige GeschĂ€fte, die von Weltkonzernen nach immer gleichem Muster in jede Innenstadt der Welt exportiert werden, dann darf man doch ein wenig am "alten Gesicht" hĂ€ngen. Ach so, eins auch noch: zwar wurde die Ironie in den letzten Jahren fĂŒr tot erklĂ€rt. Doch sollte man, wie im vorliegenden Text, schon noch in der Lage sein, diese mitlesen zu können...
Hieronymus 15.01.2009

An meinem Kommentar dĂŒrfte man eigentlich bemerkt haben, daß die von Dir erwĂ€hnte ToterklĂ€rung der Ironie nie bei mir ankam. Wer hat sie denn fĂŒr tot erklĂ€rt? Blixa Bargeld vielleicht, oder RĂŒdiger Landowski?
Und wer sind eigentlich die ursprĂŒnglichen Bewohner Kreuzbergs? Sie mĂŒssen wohl vor hunderten von Jahren gelebt haben, vielleicht Bauern, Fischer,...? Bereits Nietzsche beklagte die deutsche Großstadt, in der nichts wachse, sondern alles, Gutes wie Schlechtes eingeschleppt sei. Also bitte, hör doch auf zu glauben, daß mit Dir die Welt angefangen hat. Nichts an Dir und mir ist noch irgendwie ursprĂŒnglich, allenfalls sind wir die letzten und an unseren "alten Gesichtern" hĂ€ngen nur wir selber, sonst niemand. Schauen wir doch erstmal bei uns nach, was und wen wir alles verdrĂ€ngen, ehe wir anderen VerdrĂ€ngung vorwerfen. Einverstanden?

gewahrtes Gesicht 18.01.2009

Wir können freilich alle mal irgendwo nachschauen, was wir verdrĂ€ngen, oder auch einen Psychoanalytiker bezahlen, dass er das fĂŒr uns macht - bei dem Thema Gentrifizierung wird das aber nur bedingt von Nutzen sein. Denn dabei geht es ja sehr viel weniger um die Bewahrung eines "alten Gesichts", eines Images also, sondern um die ökonomische Verwertung desselben. Um es web-gerecht auf einen Punkt zu bringen: die schlichte Entscheidung, um die sich die KommentatorInnen offenbar balgen, ist die, ob sie die Stadt grundsĂ€tzlich als Lebensraum oder Investitionsraum begreifen. Von der Ansicht hĂ€ngt ab, was man unter "VerĂ€nderung" versteht und wie man sich dazu verhĂ€lt.
Klinge 18.01.2009

und außerdem: gentrifikation ist doch eine tolle gelegenheit fĂŒr das prĂ€kariat immer wieder neue stadtteile kennenzulernen - entmietung als chance!!! die kommen ja sonst kaum raus
Solo 19.01.2009

Menschen, die sowohl auf billige Mieten angewiesen sind als auch den Begriff Gentrifizierung verstehen, können doch eigentlich nur Soziologiestudenten sein. Oder? Also Leute die ihre eigenen EntfremdungsgefĂŒhle professionalisieren möchten, indem sie bei anderen soziale Ängste diagnostizieren.
Hauswart 20.01.2009

Und wie nennt man Menschen, die auf billige Argumente angewiesen sind, um Menschen bestimmter universitĂ€rer StudiengĂ€nge zu diffamieren? Also Leute, die ihre DistinktionsbedĂŒrfnisse professionalisieren möchten, indem sie bei anderen soziale Inkompetenz diagnostizieren. -- Im ĂŒbrigen spielt es fĂŒr die Existenz eines gesellschaftlichen PhĂ€nomens keine Rolle, ob die davon Betroffenen den Begriff verstehen oder nicht.
Solo 20.01.2009

Oho! Klasse gekontert! Soweit ich weiß, nennt man solche Menschen hier entweder Prolls (wenn sie selber keine Akademiker sind) oder Nestbeschmutzer (wenn sie diesen "universitĂ€ren Studiengang" selber hinter sich brachten). Im ĂŒbrigen hast Du völlig recht damit, dass es fĂŒr die Existenz von PhĂ€nomenen natĂŒrlich keine Rolle spielt, ob sie von irgendwem verstanden werden, fĂŒr die Kommunikation ĂŒber solche Existenzen aber eben sehr wohl. Und auf dieser Webside existieren wir nicht, sondern wir kommunizieren. Du und ich jetzt jedenfalls. Und da frage ich Dich: wenn die Betroffenen eines PhĂ€nomens indifferent sind gegenĂŒber seinem Begriff, wem dient dann die Kommunikation des Begriffs?
Webside Story 20.01.2009

gesetze werden in ihrer (ethischen, ökonomischen, rechtsphilosophischen etc.) herleitung ja auch nicht von allen verstanden, die davon betroffen sind (weil man sich i.d.r. dafĂŒr nicht interessiert). dennoch sind sie wirksam, nicht? und die begriffe, die zur kommunikation ĂŒber gesetze verwendet werden, dienen eben jenen, die letztlich fĂŒr die beschreibung, analyse und ggf. modifikation derselben verantwortlich sind. das gilt doch vielleicht auch fĂŒr fragen der soziologie. wer mitreden will - darauf zielt vielleicht der einwand meines vorredners - der darf sich informieren ĂŒber die fachdiskurse und deren begriffe. umgekehrt können fachleute die fachdiskurse freilich auch "mundgerecht" fĂŒr die laien anbieten. das Ă€ndert aber wohl nichts an dem sinn von begriffen.
RĂŒbezahl 20.01.2009

Leider dienen Fachbegriffe i.d.R. auch der Etablierung und Erhaltung von Expertenmacht, und das haben die Soziologen selbst bisher immer am besten reflektiert. Ein Wort wie Gentrifizierung hat auf einem Kongress ĂŒber Migrationsbewegungen eine andere Bedeutung als auf der Titelseite eines Kiezmagazins. Genauso wie ein medizinischer Fachbegriff auf einem Ärzteforum die Kommunikation erleichern kann, wĂ€hrend er im Sprechzimmer die Kommunikation erschweren oder gar einseitig instrumentalisieren kann. Ein Titel wie: "jetzt kommen die Reichen" oder "Schade um mein altes Gesicht", verstĂŒnde jeder auf Anhieb, "Gentrifizierung" hingegen klingt wichtigtuerisch, pseudoaufklĂ€rerisch und schafft daher letzlich nur unnötige Barrieren fĂŒr die nötige Information der von dem PhĂ€nomen am meisten Betroffenen. Dieser Artikel namens Gentrifizierung ist daher selbst das beste Beispiel fĂŒr Gentrifizierung, d.h. fĂŒr den Versuch der VerdrĂ€ngung bzw. BedrĂ€ngung der wenig gebildeten Web-User durch neue gut gebildete Webuser. So seh ich das.
VerdrÀngt 20.01.2009

HĂ€? Dem ersten Teil deiner AusfĂŒhrungen stimme ich ja noch zu, "RĂŒbezahl". Aber erstens habe ich den Text oben nicht als Artikel, sondern als eine Art Lexikoneintrag verstanden ("Kreuzberg von A-Z"), der eben mit dem Buchstaben "G" (wie Gentrifizierung) beginnt und nicht irgendeinem beliebigen Titel. Was daran "wichtigtuerisch" sein soll, verstehe ich ebenso wenig. Man hĂ€tte den Eintrag natĂŒrlich auch "G wie geil" nennen können und wĂ€re dann der von dir erwĂ€hnten "wenig gebildeten" Web-Klientel sicher ein gutes StĂŒck entgegen gekommen. Und zweitens: dass eben diese Klientel aufgrund des ach so schwer auszusprechenden Titels von dieser Seite oder anderen Seiten "verdrĂ€ngt" wird - entschuldige, aber das ist ja schon lachhaft. Offenbar ist es schon zuviel verlangt, dass man das schlimme "G-Wort" kurz irgendwo nachschlĂ€gt (im bösen Intellektuellen-Netz, bei wikipedia etwa). Wer das nicht mag oder schafft, der ist in der Tat bei Bild und Co. besser aufgehoben. Das Netz ĂŒbrigens ist ĂŒbervoll von Inhalten fĂŒr die bedrĂ€ngten "wenig gebildeten Web-User". Keine Sorge also, "RĂŒbezahl". Wer verstehen will, versteht.
Hauswart 20.01.2009

Ich verstehe das Problem schon. Allerdings frage ich mich, von welcher Position aus Du sprichst - offenbar kannst Du mit den Begriffen umgehen, verstehst sie und verwendest sie in der richtigen Weise. Du möchtest aber andere, die, so fĂŒrchte ich, eine gĂ€nzlich unbekannte, namen- und gesichtslose Menge darstellen, "schĂŒtzen" vor dem Kauderwelsch der "mĂ€chtigen" Experten. Man könnte freilich, als Vorschlag, den umgekehrten Weg gehen, und jene Menschen, die Du da offenbar im Blick hast, fĂŒr prinzipiell aufgeschlossen und lernfĂ€hig halten und ihnen die Begriffe und die damit verbundenen Expertenmeinungen nĂ€her bringen. Vielleicht auch in einem Kiezmagazin. Das hĂ€tte zumindest den Hauch einer Chance, dass die Kluft zwischen dem - unvermeidlichen - Expertendiskurs und dem der Laien etwas zu verringern.
Du meinst es sicher nicht so, aber Deine letzten Zeilen klingen so, als sei Unwissenheit ein unbedingt schĂŒtzenswerter Status. Man sollte tatsĂ€chlich auf die Möglichkeiten jeder/s einzelnen eingehen, doch Bildung ist auch Arbeit an sich selbst und erwĂ€chst eben auch aus Herausforderung. Du magst Begriffe/Schlagworte wie "Gentrifizierung" wichtigtuerisch empfinden - Titel wie "jetzt kommen die Reichen" hat fĂŒr mich wiederum den Klang einer Bild-Zeitungs-Schlagzeile.
"Gentrifizierung" bringt einen Prozess auf ein Wort. Das ersetzt, und das gilt fĂŒr jedes Wort, nicht das Verstehen; jedoch gibt es eben außer eher groben Paraphrasen keine "einfachere" Alternative... Mir wĂ€re es allerdings auch lieber, es brĂ€uchte das Wort nicht, weil es die Sache nicht gĂ€be.
Hauswart 20.01.2009

Mein letzter Beitrag war als Antwort auf "RĂŒbezahl" gedacht. "VerdrĂ€ngt" hat sich gleichsam dazwischen "gedrĂ€ngt" (dessen Intention ich im ĂŒbrigen teile).
RĂŒbezahl 21.01.2009

Unwissenheit ist kein Status, sondern eine Tatsache, und Tatsachen kann man nicht schĂŒtzen, denn sie sind der Fall.
Die Vorstellung einen Status schĂŒtzen zu können, kommt immer nur von denen, die selber einen haben, und das sind eben nie die "Unwissenden", sondern immer die, die sich die Definitionsmacht ĂŒber Wissen und Unwissen erst angeeignet haben und dann kommen und generös die Kluft wieder verringern möchten. Dieses Spiel ist so alt.
Und was, "VerdrÀngt", ist bitte der Unterschied zwischen einem Artikel und einem Lexikoneintrag? Das ist doch lÀcherlich!
Hauswart 21.01.2009

Über den konstruktiven Charakter von Tatsachen ließe sich freilich vortrefflich streiten. Wie kommst Du denn zu diesen "Tatsachen"? Hast Du das "irgendwo" gelesen? Ist das Deine "Eindruck", den Du so gewinnst, wenn Du z.B. mit der U-Bahn fĂ€hrst? Dass "die", von denen Du sprichst, "unwissend" sind. Und bei solchen Zuschreibungen wird der Unterschied zwischen Tatsache und Status ziemlich aufgeweicht.
Was Deine Beschreibung des "alten Spiels" angeht - bitte erklĂ€r doch auch mal a) wen Du damit meinst. Die hier an der Diskussion Beteiligten? Gebildete im allgemeinen? Experten? Und - noch viel spannender - b) wie das Deiner Meinung so geht, sich "Definitionsmacht ĂŒber Wissen und Unwissen" anzueignen. So ein bisschen mehr als ein paar fetzige Schlagwörtchen dĂŒrfen es dann schon sein. --- Und etwas allgemeiner gefragt: Worum geht es Dir eigentlich? Um einer VerhĂ€rtung der Fronten von Experten- und Laiendiskurs? Um Sprachregelung zwischen BildungsbĂŒrgertum und "bildungsfernen" Gesellschaftschichten? Oder hast Du einfach persönlich ein Problem mit Fremdworten? Da empfehle ich Duden, Bd. 5, das Fremdwörterbuch, möglichst neueste Ausgabe. Das hilft einem durch den Tag, ohne dass man sich von den "DefinitionsmĂ€chtigen" ganz böse beherrscht und ausgebootet fĂŒhlen muss.
VerdrÀngt 21.01.2009

Die Antwort, "RĂŒbezahl", hast Du eigentlich schon selbst gegeben. Der auffĂ€lligste Unterschied zwischen Lexikoneintrag (oder Lexikonartikel) und Zeitungs-, oder Web-Seitenartikel ist der, dass der Lexikoneintrag keinen "sprechenden" Titel Ă  la "Jetzt kommen die Reichen" trĂ€gt, sondern schlicht den des Gegenstandes, den er beschreibt.
RĂŒbezahl 21.01.2009

Deine Antwort "VerdrÀngt" ist völlig richtig, ich hatte mich da auf den inhaltlichen Diskurs versteift, Sorry.
Und was "Hauswart" anbetrifft: Deine Fragen von heute vormittag sind ganz schön von oben herab gestellt, ziemlich verhörmĂ€ĂŸig, als ob Du irgendein Anrecht darauf hĂ€ttest mir Fragen zu stellen. Auf diesen Ton habe ich keinen Bock am Feierabend. Außerdem hĂ€tten eine oder zwei Fragen genĂŒgt.
Also: dass Unwissenheit eine Tatsache ist, weiß ich von mir selbst natĂŒrlich, woher sonst. Wenn Du erst U-Bahn fahren oder "irgendwo" was lesen mußt um Dich selber kennenzulernen, dann drĂŒck ich Dir die Daumen, das die BVG-Tarife nicht weiter erhöht werden.
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