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Admiralbrücke

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Eine Einschränkung muss gleich zu Beginn gemacht werden. Wenn auch keine gravierende. Die Admiralbrücke in Kreuzberg, sie überspannt den Landwehrkanal direkt am Casolare, ist vor allem im Sommer ein "magischer Ort". Nicht nur, aber eben dann ganz besonders. Was die Brücke so einzigartig macht, ist nicht ihre ohne Frage schöne Architektur. Auch nicht das Ensemble aus Brücke, Kanal und angrenzenden Bauten. Es ist ein anderer, nicht ganz leicht zu ergründender Reiz, den die Brücke in den Sommermonaten ausstrahlt und der Abend für Abend dutzende Passanten anzieht, die zufällig hier vorbeikommen oder sich verabredet haben.
 
Sie alle sind gekommen um zu bleiben - nehmen auf den Betonpoldern des Mittelstreifens Platz, auf dem Bordstein oder lehnen sich an das Brückengeländer und wandeln sich so von Passanten zu Beobachtern, zu Straßengästen. Und mit der Zeit, langsam beginnt die Dämmerung über Kreuzberg, kommen immer mehr Passanten, Liebespaare, Freundescliquen hinzu und füllen die Brücke schließlich bis auf den letzten Platz. Wer in diesem Moment zufällig vorbeikommt, fühlt sich vielleicht an eine friedliche Eroberung erinnert, an ein Sit-in, einen freundlichen Protest ohne Plakate oder Spruchbänder.
 
Denn die Leute sitzen einfach da und unterhalten sich bis in die tiefen Nachtstunden. Mehr nicht. Viele bringen Bier mit, Zigaretten, Decken, um es sich bequemer zu machen auf dem harten Stein. Und die Autos, die die Admiralbrücke wie Fremdkörper oder Eindringlinge queren, müssen gezwungenermaßen auf Schritttempo herunterbremsen. Sie stören die Sitzenden nicht und die Sitzenden scheinen sie gar nicht wahrzunehmen. Eher wirkt es, als schämten sich einige der Fahrer, durch die friedlich dasitzende Menschenmenge navigieren zu müssen. Denn im Sommer gehört die Brücke nicht ihnen, sondern denen, die hier sitzen. Fast scheint es auch, als triumphierten die Sitzenden im Stillen. Über den ausgebremsten Verkehr, aber auch über diejenigen, die statt hier zu sein, in einem der profanen Straßencafés auf ganz herkömmlichen Stühlen sitzen. Verständlich. Denn es ist genau diese Mischung aus dem Ort und der Gelassenheit der Brückengäste, die das Besondere der Admiralbrücke ausmacht. Kein Straßencafé kann dieses Gefühl reproduzieren.
 
Irgendwann in der Nacht verstreuen sich die Brückenbesucher allmählich. Einige gehen in die nahen Bars, andere nach Hause. Dann ist die Admiralbrücke wieder ein Bauwerk. Bis zum nächsten Sommerabend, wenn die ersten Passanten wieder vorbeikommen, zufällig, oder weil sie sich hier verabredet haben.
 
Konstantin Vogas 
 
Kommentare
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maximilian 14.10.2008

Ach, wie gut, daß es im weltweiten Internetz noch Seiten gibt wie diese. Da werden sorgsam recherchierte Fakten präsentiert, um dem Kiezbewohner das Leben zu erleichtern: Wo sonst findet man Informationen über die nächstgelegene Tischtennisplatte? Zu schweigen von anderen Eckdaten der Infrastruktur wie Restaurants oder Ärzte. Und obendrein gibt es mit der Rubrik "Special" etwas ganz Besonderes: Hier werden die leisen Töne poetisch angezupft, das besondere Kreuzberger Gefühl bekommt seinen Klangraum. "Special" ist ein Resonanzkörper für das, was den Kreuzberger Kosmos im Innersten zusammenhält. Vielen Dank! Maxi.
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