Der Landwehrkanal |
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Venedig, Amsterdam, Berlin. Diese Namen gehören zumindest dann in eine Reihe, wenn man an der Uferböschung des Landwehrkanals steht und an die großen, auf Wasser gebauten Städte denkt. Der Landwehrkanal, der neben Kreuzberg auch durch Neukölln, Tiergarten und Charlottenburg führt, mag nicht ganz so romantisch sein, wie die Kanäle der Lagunenstadt oder die Grachten der niederländischen Metropole, wahrscheinlich auch bleibt bei dem, der von den vielen Brücken auf ihn herunter geblickt hat, kein bleibendes Bild in Erinnerung. Den Landwehrkanal muss man mit anderen Augen betrachten. Der romantische Blick findet hier keine Auflagefläche - wohl aber der ruhende. Die spannenden Orte finden sich an seinen Rändern. "Spannend" meint gar nicht: aufregend. Eher das Gegenteil. An den Landwehrkanal kommen die, die kurz "raus" wollen, aus den Straßen, aus der Stadt. Und die nach ein wenig Natur suchen. Natürlich: Natur, die echte, die weite und rauhe, wartet auf Niemanden hier. Dafür ist die Wasserstraße viel zu sehr Teil der Stadt und von ihrem ursprünglichen Baugedanken her ein Ort der Bewegung - von Gütern erst, dann von Trümmerschutt und heute von Touristen und Sportbootbesitzern. Nein, die Natur, die hier gesucht und gefunden wird, ist ein schmaler Grünstreifen bloß, im Sommer gelbgebrannt von der Sonne, im Winter tot. Ein Imitat von Natur und doch ein wunderbarer Ort, um "rauszukommen". Das ist das Spannende am Landwehrkanal. Die Verwegenen und Spaßmacher winken den Touristenbooten kichernd hinterher, wenn diese an ihnen vorbeiziehen. Im Sommer geht das fast im Stoßverkehr. Wenn eines der Boote kommt, wehen die Fetzen der Lautsprecherdurchsagen ans Ufer. Die Kapitäne der Ausflugsdampfer erzählen stets die gleichen Geschichten. Vom Türkenmarkt am Maybachufer und von Paul Lincke. Und die Touristen schlafen, oder schauen, oder fotografieren stumm. Manche winken den Spaßmachern am Ufer zurück und glauben fest, dass das ein ernstgemeintes und herzliches Winken war. Nein, die Glücklichen sitzen mit Sicherheit nicht an Bord der Schiffe. Sie sitzen am Ufer. Ob winkend oder nur im gelben Gras liegend. Der Landwehrkanal braucht Zeit. Wer die hat, wird auch das Schöne entdecken und die Bilder nach Hause tragen. Konstantin VogasÂ
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