Der Mob kauft ein – Carrotmob in Kreuzberg

Kurz vor vier. Ein kleines Grüppchen, vielleicht zwanzig, dreißig Leute, warten vor dem Spätkauf „Multikulti“ in der Wiener Straße auf den Beginn der Aktion. Die Hälfte der Wartenden sind Presseleute – Kamerateams, Reporter, Fotografen. Auch der unvermeidliche RBB ist mit einem Wagen vor Ort. Neues aus dem Kiez einfangen. In zehn Minuten findet hier der erste deutsche Carrotmob in Deutschland statt.

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Einkaufen für den Umweltschutz – Carrotmob in Kreuzberg

Dass der erste deutsche „Carrotmob“ ausgerechnet in diesem eher unscheinbaren Spätkauf stattfinden wird, ist schon eine Überraschung. Am Samstag, den 13. Juni 2009, werden vielleicht hunderte „Carrotmobber“  versuchen, den Laden leer zu kaufen und damit ihren Teil der Vereinbarung einzulösen. Danach ist der Laden an der Reihe. Denn einfach nur dafür, um sich dort  mit Grundnahrungsmitteln einzudecken oder um hemmungslos zu konsumieren, haben sich die Carrotmobber den Spätkauf für ihre Aktion nicht ausgesucht.

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Die Armutslandkarte

Was die Meisten wohl längst ahnten, ist nun wieder amtlich – der neue Sozialstrukturatlas Berlin zeichnet insbesondere für Kreuzberg ein nach wie vor trauriges Bild. Zwar konnte der Bezirk gegenüber Neukölln und Mitte ein wenig aufholen und belegt im Ranking jetzt „nur noch“ den drittletzten Platz, auf der anderen Seite lebt hier inzwischen jedes zweite Kind von Hartz IV, in manchen Teilen des Bezirks sind es sogar bis zu 75 Prozent der Kinder.

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SO 36 bleibt?

Als fester Bestandteil des Kreuzberger Nachtlebens und gerade 30 Jahre alt geworden, könnte dem legendären SO 36 ausgerechnet in seinem Jubiläumsjahr das Aus drohen. Der Grund: ein lärmempfindlicher Nachbar und eine blinde Bürokratie, die dem Veranstaltungsort bereits eine offizielle Anordnung zustellen ließ. In dem Schreiben heißt es: werden nicht umfangreiche Baumaßnahmen zur Lärmreduzierung vorgenommen, darunter eine Schallschutzmauer neben dem Club, sind Konzerte fortan nur noch in Zimmerlautstärke zulässig.

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Berlnale? Berliiiiiiiiiiiinale!

Heute also hat die 59. Berlinale begonnen. Der internationale Filmzirkus macht Station in Berlin. Ob auch für Kreuzberg ein wenig vom cineastischen Glanz abfällt, warum der Berlinale auf den offiziellen Plakaten ein „i“ fehlt, oder aber ob nicht viel zu viele „i es“ zu sehen sind und ob auch dieses Jahr wieder die Stadt voller stolzer Taschenträger sein wird – diese Fragen sollen hier geklärt werden.

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Alpenglühen in Kreuzberg

Architekt Jakob Tigges wusste, dass sein Vorschlag keine Chance haben wird. Und doch hat er ihn gemacht. Ein Berg für Tempelhof, auf dem ehemaligen Flughafengelände. Mittlerweile ist die erste Phase  des Architektur-Wettbewerbs zur Neubebauung abgeschlossen. Und man ahnt schon, dass am Ende doch ein Kompromiss-Vorschlag gewinnen wird – Reihenhäuser, nach dem Lego-Prinzip zusammengesteckt und im Raum verteilt. Tigges Vorschlag mit dem Berg sollte betriebsblinde Augen öffnen. Für eine große Idee werben. Hat doch Berlin gerade ein weiteres Mal die Chance, etwas wirklich Herausragendes zu bauen auf dem riesigen, offen stehenden Areal. Die zweite große Chance nach dem Potsdamer Platz, bei dessen Wiederaufbau alles schief gelaufen ist – dort steht heute Kleinkrämerarchitektur mit blassen Fassaden und künstlichen Straßen.

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Wartende Hunde

Es ist jetzt Winter. Und in diesem Jahr ist  sogar wirklich Winter. Eine schon fast nicht mehr für möglich gehaltene Kälte hat sich über Berlin gelegt und scheint noch lange zu bleiben. Wer draußen unterwegs ist, hält die Wege kurz. Viele tragen Kleidung, die auch für eine Nordpol-Expedition taugen würde. Dass die Menschen immer gleich so übertreiben müssen. In diesen eiskalten Tagen jedenfalls, wo man keine Gesichter mehr sieht, sondern nur noch Kapuzen, Schals, Mützen, Helme und aufgebauschte Daunenjacken, fallen Andere mehr auf als sonst – wartende Hunde.

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Finanzamt und das BKA haben unsere Daten da…

… sang die Gruppe Kraftwerk 1981 und griff damit ein Thema auf, das zu diesem Zeitpunkt gar nicht wirklich aktuell war. Erst sechs Jahre später, anlässlich der großen Volkszählung von 1987, wurde den Meisten bewusst, dass der Staat und mit ihm unzählige andere staatliche, halbstaatliche und private Institutionen damit begonnen hatten, alle nur verfügbaren Daten deutscher Privathaushalte zu sammeln und auf unbestimmte Zeit zu speichern. George Orwells oft zitierte Schreckensvision vom vollkommen durchsichtigen Bürger war mit einem Mal keine abstrakte literarische Fiktion mehr, sondern Wirklichkeit. Und doch ging der Plan erstmal schief. Die Deutschen, sonst alles andere als Rebellen, verweigerten in großer Zahl die Preisgabe persönlicher Daten. Manche logen, andere planten, ihre Türen vor den Volkszählern zuzumauern. Und wie so oft stießen die Datensammler gerade in Kreuzberg auf besonders hartnäckigen Widerstand – hier fiel die Volkszählung quasi aus. 2010 soll es die nächste Volkszählung geben. Ob dann mit genauso heftigem Widerstand zu rechnen ist? – Wohl kaum.

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Berlin vs. London

Mark Espiner kommt aus London, schreibt für den Guardian und ist gerade zwei Wochen in Berlin um die Stadt zu „testen“. Espiner will herausbekommen, ob Berlin London den Rang abgelaufen hat. Espiner sagt, er mache sich Sorgen. Sorgen, „dass von Berlin ein Sog ausgeht, der unsere besten Kulturleute anzieht“. Steht es wirklich so schlimm um die britische Metropole? Oder anders herum gefragt: bekommen Berlin und Kreuzberg bald eine englische Exilgemeinde?

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