Görlitzer Park

Den Görlitzer Park, aka Görli, einen „magischen Ort“ zu nennen, liegt nicht gerade auf der Hand. Oft ähnelt der Park einem räudigen Straßenköter, dem überall das Fell ausgeht. Überhaupt Park. So ein richtiger Park ist der Görli eigentlich gar nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man bei diesem Wort an eine romantische Gartenlandschaft aus wohlpropotionierter Natur denkt. Nein, romantisch ist es hier nicht. Der Görlitzer Pak ist rau, wie eine offene Industriebrache.  Tundra, Steppe – das passt viel besser zu ihm. Gelbes Gras, Natura morta an vielen Stellen. Aber genau hier liegt paradoxerweise sein Charme begraben.

Der Görlitzer Park ist die einzige „grüne Lunge“ nennenswerten Ausmaßes, die SO 36 hat. Im Sommer zieht es an den Wochenenden Tausende hierher: Trinker, Radler, Griller, Frisbeespieler, DJs, Familien. Besonders beliebt ist der „Krater“ – eine große Mulde etwa in der Mitte des Parks,  die von einem Weg durchschnitten wird. Dahinter liegen die Grillplätze, ein Fußballfeld, ein Streichelzoo, in der entgegengesetzten Richtung die übriggebliebenen Gebäude des alten Bahnhofs. Geschichte ist mittlerweile eine erschreckend häßliche Fehlinvestition, die seit ihrer Erbauung für Besucher gesperrt war: die Nachbildung der türkischen „Sinterterrassen“ – Abriss 2009. Die ganze Anlage lag über die Jahre wie ein verunglücktes und langsam verwitterndes Ufo am Eingang des Parks, abgeschirmt durch Bauzäune. Ein Sinnbild für den Görli und Berlin insgesamt: der Schwebezustand.

Schon Anfang der 60er Jahre war der einstige Stiftunganlass für den heutigen Park entfallen (mit dem Bau der Mauer wurde der Bahnhof schrittweise aufgegeben) und es dauerte lange, bis sich hier zumindest ein wenig Parklandschaft etablieren konnte.

Vergessen ist das. Der Görli ist, was er ist: eine große Verkehrsinsel im belebten Kreuzberg. An guten Tagen, wenn der Krater voller Menschen ist, kommt so etwas wie familiäre Stimmung auf, auch wenn das vielleicht althergebracht klingt. Den ziehenden Wolken nachschauen, den Grillern und Grüppchen – „vielleicht kommt ja später noch jemand mit seiner Anlage vorbei und sorgt für Musik?“. In diesen Momenten ist der Görli unschlagbar. Dann nämlich lernt man plötzlich seine Vorzüge kennen, zu denen auch der weite Blick gehört: in der Ferne die Stadtsilhouette mit dem Funkturm. Es ist nicht so wichtig, weshalb man hierher gekommen ist, der Park schreibt einem nichts vor, belehrt niemanden über die korrekte Benutzung. Wenn Berlins unbeholfenes „Be Berlin“ irgendwo eine besondere Gültigkeit besitzt, dann hier, im Görlitzer Park.

[Gesamt:39    Durchschnitt: 4.6/5]

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h2cl
Gast
h2cl

..[i].in der Ferne die Stadtsilhouette mit dem Funkturm[/i]… deswegen besser Mauerpark mit mehr Musik, mehr Weitblick, mehr Boccia.

H2SO4
Gast
H2SO4

jaa, genau, und meine Freundin ist hübscher als Deine; mein Hund springt höher als der vom Nachbarn; und was die Länge angeht, ist ja eh alles klar, oder? — Ich plädiere für die ersatzlose Streichung des Komparativs „besser“ durch „auch gut“. V.a. wenn der finale Argumentationshöhepunkt lautet: „mehr Boccia“. Alternativ: „mehr Tango“, „mehr Haufen“ oder auch „mehr Licht“.

Mausi
Gast
Mausi

Warum gleich so aggressiv? Die beiden Parks geben sich ja echt nicht viel. Wirklich schön sind beide nicht. Und der Fernsehturm ist vom Mauerpark genauso weit weg, wie vom Görli.

Pete
Gast
Pete

muhaha, wo mausi recht hat, hat sie recht 🙂

Chris
Gast
Chris

Und außerdem geht es beim Artikel nicht um den Mauerpark sondern um den Görli. Wisst Ihr denn nicht wie man das Internet benutzt?

p.humar
Gast
p.humar

Ja der Görli, Menschen wälzen sich in Hundekake. Montags haben die Tauben und Raben ihr fresserlie aus den überfüllten Mülltonen . Ja ja der Göli.

Axel
Gast
Axel

Der Artikel beschreibt die 20% des Görli, die etwa 80% der Besucher auch nur bekannt ist. Der Autor möge sich die Mühe machen einmal den ganzen Görli zu durchstreifen und dann fallen auch die Vielzahl an anderen Installationen dort auf.

Anonym
Gast
Anonym

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