Der Papadam-Mann

„Paaa-Pa-Daaaaaaam, indisch Konkurrent“ ruft der Verkäufer mit dem geflochtenen Korb in einer Lautstärke, die Tote erweckt. Es ist der Papadam-Mann – wer sonst -, der dies ruft und sich damit neue Kundschaft quasi erschreit. Denen, die die indische Brotspezialität nicht kennen, bröckelt der Papadam-Mann bereitwillig-lachend einige Bruchstücke des knochentrockenen Fladens in die Hände – zum Anfüttern. Doch Vorsicht! Papadam kann salzig sein, wie das tote Meer und brennend, wie die Sonne über Mumbai, welche die Gedanken austrocknet bis auf einen: Wasser, Wasser!


Der Papadam-Mann ist ein überaus fröhlicher, ja feixender Verkäufer, ganz im Gegensatz zu seinen Kollegen, dem Kerzenmann (melancholisch) oder der Frau mit den Blumen (rätselhaft). Es hat clowneske Züge, wenn er wippend auf einen zusteuert mit seinem breiten Lachen, das so schwer zu deuten ist; lacht er mit einem, oder über einen? Seine chronisch gute Laune jedenfalls macht es fast unmöglich, sein Angebot auszuschlagen. Zumal für die, die Papadam nicht kennen. Interessiert an der exotischen Spezerei, lässt man sich ein paar der Frisbeescheiben aushändigen um nur wenig später festzustellen, dass man die Wirkung des Papadams, welches man zunächst für etwas chipsartiges hielt, vollkommen unterschätzt hat. Papadam nämlich wirkt in zwei Stufen. Stufe eins: die knackende Auflösung, der Geschmack neutral (langweilig). Stufe zwei: Salz und Pfeffer, Sterne tanzen, die Mundhöhle verdörrt zur Wüste Gobi.

Der Papadam-Mann mag es, dem Verzehr seines Produktes beizuwohnen, wobei er geübt zwischen Fortgeschrittenen und Anfängern unterscheidet. Anfänger sind die, die nach den ersten Bissen nur noch aus gequälter Höflichkeit weiterkauen, weil der Papadam-Mann so interessiert zuschaut. Der Papadam-Mann lacht darüber und zieht seines Weges, bis sich nach einer Weile das Schauspiel ein paar Meter weiter wiederholt. Der Papadam-Mann übrigens ist nicht ausschließlich nachtaktiv, wie seine Konkurrenz. Ob am Kanal am Urbanhafen oder auf der Admiralbrücke, ob bei Tag oder Nacht, er kennt keine festen Geschäftszeiten und -orte sondern nur ein Ziel: das Papadam in die Welt zu tragen.
Entwarnung sei für all jene gegeben, die sich mit einem kühlen Getränk entlang seiner Verkaufsroute aufhalten – ihnen kann nichts passieren. Für alle anderen gilt das oben Geschriebene: wer die zweistufige Wirkung des unscheinbaren, gelben Fladens unterschätzt, wünscht sich einen Eimer Wasser an seine Seite und wird noch lange das freundliche und etwas irre Lachen des Papadam-Mannes in seinen Ohren nachklingen hören und bei seinem Ruf künftig unweigerlich zusammenzucken: „Paaa-Pa-Daaaaaaam, indisch Konkurrent“.

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Kommentare

  • kreuzberger 61
    07/07/2011 at 15:31

    PA PA DAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAM

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