Friedlich, traurig und ein wenig krumm sehen die bemitleidenswerten Kreuzberger Esel aus. Ihre Koppel, auf der sie im Regen, genauso wie unter gleißender Sonne stehen, ist nicht klein und doch beschränkt. Wer sich jetzt fragt – von was zum Teufel redet der Mann da? – dem sei gesagt: ja, Kreuzberger Esel gibt es wirklich. Echte. Keine mit Kapuze, Schnauzi oder zu engen Hosen.
 
Am Ende der Adalbertstraße, Ecke Bethaniendamm, flankiert von zwei Häuserblocks, liegt ein kleiner Streichelzoo, oder besser: ein Tierasyl. Der Eintrag hätte genauso gut „E, wie Enten“ heißen könnnen, denn auch die gibt es hier. Außerdem Gänse, Ziegen und etwas versteckt, am Rand des Geländes, ist da auch noch einen Tauben züchtender Türke. Wenn man das erste Mal hier vorbeikommt, glaubt man, sich verguckt zu haben. Wer würde schon mitten in Kreuzberg mit einer Art Bauernhof rechnen? Doch es ist wahr. Und man kann auch ganz nah ran. Auch zu den Eseln. Doch das bringt nichts. Die Esel und das kleine Pferd, das sich hier dazu gestellt hat, bewegen sich keinen Meter von ihrem Platz. Ihnen geht es sicher gut hier, doch so aussehen tun sie nicht. Vielleicht träumen sie von der Mittelmeerküste und Feigen und einer Rast unter Olivenbäumen. Man weiß es nicht. Ach, ja. Falls nun ein Zoologe oder sonstiger Tierfachmann kopfschüttelnd vor seinem Rechner sitzt: Zugegeben – die drei Esel könnten auch alle kleine Pferde sein. Doch sie sehen wie Esel aus. Und „Esel in Kreuzberg“ – das klingt noch spannender als „Pferde in Kreuzberg“. Merkwürdig ist beides. 

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